Familie Schäfer  aus Kleinensee    

 

Rittergut Kleinensee

Auf einer Anhöhe am Ufer lag das Gut „Am Hopfenberg“.

Heute ist es neben der Kirche Mittelpunkt des Stadtteiles Kleinensee.



 Die erste Erwähnung über dieses Gut fand man in einem Schreiben, das 1437 Margarete von Heringen an die Kreuzberger Äbtissin richtete. Sie schrieb, dass sie ihr ererbtes Gut am See, Hopfenberg genannt, ihrem Schwager Kurt von Romerode, der 1437 in Wenigentaft lebte, erblich verkauft habe. Zuvor sei dieses Gut schon an die Romerod zu Wildecke (also vor 1413 !) teilweise versetzt gewesen.

 

Im Grenzregelungsvertrag zwischen Hessen und Thüringen-Sachsen im Jahre 1562 erhielt der Landgraf die Gerichtsbarkeit über den See und zwei „Vischers Heusern zum kleinen Sehe“ zugestanden. Das Gut, aus dem sich das Dorf entwickelte, gehörte zum Amt Gerstungen. 1593 war Christoph von Boyneburg Gutsbesitzer.

 

Ab 1736 hatte dort die Familie von Vulteus Besitzrechte

Es ist anzunehmen, dass das Gut die erste Ansiedlung darstellte. Nach alten Aufzeichnungen war das Gut in Kleinensee ein Lehensgut, zu dem ein Grossteil der Ländereien in der Gemarkung und etwa 100 Morgen Wald gehörten.
Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Einwohner von Kleinensee dem Gutsherrn dienstverpflichtet.

 

Kleinensee ist eines der Güter des hessischen Vizekanzlers 

Hermann v. Vu1tee (*1634 - 1723) -ab ca. 1714 wechselte er für sich und seine Nachkommen in diese französisierte Form des ursprünglichen Namens v. Vultejus-, die er seinen vier Söhnen als sog. „Stammgüter" hinterließ.

Ein Blick in den Innenhof des Gutes

 

Als nach dem Tod des Vizekanzlers v. Vultee d. Ä. seine Hinterlassenschaft in vier Stammgüter zwischen seinen Söhnen aufgeteilt wurde, war der Älteste von ihnen, Hermann der Jüngere, bereits verstorben.

An dessen Stelle erbte nun sein ältester Sohn Johann Hermann den Kleinenseer Stammteil.

Wappen der Vulteus - ehemalige Besitzer des Rittergutes

Bei Johann Hermanns Tod im Jahre 1730 waren seine Söhne Carl, Wilhelm Christian und Friedrich noch minderjährig und so übernahm ihre Mutter Sophie Wilhelmine, geb. v. Baumbach, zusammen mit ihrem Vater deren Vormundschaft und die Verwaltung ihres Erbes.Später, nach Aufteilung des väterlichen Erbes unter den Brüdern, verwaltete der Älteste - Carl  Gut Kleinensee, Wilhelm trat in militärische Dienste und der Jüngste, Friedrich, wurde Justiz- und geheimer Regierungsrat in Marburg.

Ergänzend muß man erwähnen, daß alle 3 Brüder auch weiterhin durch Vertrag als sog. „Mitherren" an Gut Kleinensee beteiligt blieben. Bedingt durch den häufigen Wechsel der Oberhoheiten über Kleinensee (welches seinerzeit eine hessische Enklave war), sowie den unterschiedlichen Diözese-Verwaltungen, die für diese Gemeinde im Laufe der Zeit verantwortlich waren und schließlich die Teilung Deutschlands, sind die meisten Dokumente über Gut Kleinensee bislang nicht auffindbar oder überliefert. Über den Erwerb ist z. Zt. nur bekannt, das die Familie schon vor 1721 in Kleinensee begütert war. Eine Belehnung hat wahrscheinlich 1721 durch den Abt. v. Fulda stattgefunden. 

Das Gut wurde, zusammen mit den Gerstunger Gefällen und Gut Busserode (oder: Bosserode) durch den Vizekanzler v. Vultee von den v. Boyneburg erworben. Der Besitz lag, genau wie Dippach- in einem Grenzgebiet zwischen Hessen und Sachsen, um das sich jahrzehntelang gestritten wurde. Erst im Jahr 1733 wurden die Verträge zwischen dem Landgrafen v. Hessen und dem Herzog v. Sachsen-Eisenach geschlossen, die in einem Austauschverfahren allem ein Ende bereiteten und den Anfang zu neuer territorialer Bildung machten.

So fiel z.B. der gesamte mit Gut Kleinensee zusammenhängende Besitz an Hessen.

(Dippach dagegen stand seitdem unter sächsischer Hoheit.)

In der Mitte des 18. Jahrhunderts, zur Zeit der Minderjährigkeit der Brüder Carl, Wilhelm und Friedrich v. Vultee kam zu Gut Kleinensee noch der sog. Unterhof Raßdorf hinzu, der von den v. Buttlar erworben wurde. 

Durch die Zusammenlegung der Besitzungen, Kleinensee, Bosserode, des „Unterhofs“ in Rasdorf und der Gerstunger Gefälle in der Mitte des 18. Jahrhunderts, war bis auf wenige Ausnahmen alles zur Gemarkung Bosserode gehörige Grundeigentum dem jeweiligen Herrn auf Kleinensee lehnbar, d.h. abgabenpflichtig.

Diese Abgaben sind nicht zu verwechseln mit den Steuern, die dem Staat zu entrichten waren.

Oberhalb des Gutes "Hinter den Gärten" Heute Südstraße

  

Nicht dieser Lehnbarkeit unterlagen 

1. der Kirchenbesitz

2. Schule mit Schulland

3. die Staats-Erbleihe der Kinder des Heinrich Möller, bestehend aus der Mühle (der sogenannten „Bruchmühle““ mit den dazugehörigen Gebäuden, den umliegenden Wiesen, Gärten und dem Mühlgraben

Zu den vielfältigen Privilegien des Lehnherrn, wie dem Recht der Niederen Gerichtsbarkeit, um die seit in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein jahrelanger Streit mit den Schultheißen der Dörfer ausgebrochen war, gehörte u.a. auch, dass sie sich für die Schäfereigerechtigkeit (also das Recht Schafe zu halten), jährlich einen Hammel, ein Hammellamm und 25 Silbergroschen Trift- und Käsegeld entrichten ließen.

Mit Abschaffung der Leibeigenschaft (1841 in Kurhessen) war auch der ehemalige Frondienst der Bauern abgeschafft und durch den Handdienst ersetzt worden.

Von 48 „Baustätten“ (Höfen) mussten jährlich 72 Tage Handdienst geleistet werden, eine Arbeit, die die Bauern sicherlich nur mit Widerwillen durchführten, auch wenn der Lehnherr verpflichtet war, jedem einen Teller Erbsensuppe und einen Haustrank zu verabreichen.

   

Es liegt in der Natur der Sache, dass es wegen dieser, dem Lehnherrn abzuführender Abgaben häufig zu Auseinandersetzungen zwischen diesem und der Gemeinde kam. 

So haben der Ortsvorstand zu Bosserode und die „Ratificationsschätzer“ einen Großteil der der Grundbesitzeintragungen im Kataster für „Lehnfrei“ erklärt und damit den Vulteeischen Forderungen widersprochen.  

Nur zu gern schlossen sich diesem Widerspruch auch die sogenannten „Ausmärker“ von Großensee an – Darunter sind die Bauern zu verstehen, die in der hiesigen Flur Landbesitz hatten

Das Recht auf die hohe und niedere Jagd, sowie das Fischereirecht standen ausschließlich dem Lehnsherren zu. Da die vulteeischen Felder mit denen des Landgrafen und anderer benachbarter Grundbesitzer durcheinander vermengt lagen, wurden Jagd- und Fischereirecht durch den Förster von Bosserode, den Förster von Hoenebach (fur den Landgrafen) und den Herren v. Vultee zu Kleinensee gemeinschaftlich exerciret.

1938 Reiterfest auf dem ehemaligen Gutshof













Auch hier in Kleinensee wurde das Gutshaus im 19. Jahrhundert durch Brand zerstört und danach wieder aufgebaut. Allerdings geschah dies wohl erst, nachdem die Familie sich von diesem Besitz getrennt hatte.

Letztes erhaltenes Inventarstück des alten Gutshauses ist ein schwerer Kronleuchter, der heute im Schiff der Kirche von Kleinensee als Lichtquelle dient.

 

Wie die Gutsanlage einstmals aufgegliedert gewesen sein mag, ist noch recht gut zu erkennen, da noch fast alle ehemaligen Wirtschaftgebäude bis heute erhalten sind.

Zwar ist auch hier der Besitz aufgeteilt worden und in verschiedene private Hände gefallen, so zum Beispiel am 27.2.1851, als die Erben des Friedrich Carl v. Vultee an 58 Einwohner von Kleinensee Land verkaufte.


Aber die Geschlossenheit der Gutsanlage ist noch hervorragend erkennbar, wenn man durch die erhaltene Einfahrt des Gutes ging! Leider heute nicht mehr erhalten. 

 

 

 

 

Soweit die wenigen Tatsachen über Gut Kleinensee und seine Bewohner. Weiteres Informationsmaterial dürfte sich im Staatsarchiv von Weimar befinden, allerdings wird dieses erst in einigen Jahren zugängig sein, da man dort erst noch alle Akten nett ordnen und sichten muß, bevor sie einer Auswertung zur Verfügung stehen können.


Besitzer des Rittergutes

Krosigk

Kurt von Romerod zu Wildecke        1413

Christoph von Boyneburg                  1539

Vulteus                                                 1736

Karl Walther                                         ... 1892...

Major Conrad Heinrich von Krosigk   1901 - 1907

Baron Thilo Ernst von Bodenhausen 1907 - 1921 

Generalleutnant Lepper                       1921 - 1926

Gemeinde Kleinensee - Umbau zum Schulhaus 


v. Boineburg, Christine, aus dem Hause Gerstungen, sie: (∞(2) 1623 Hans Treusch v. Buttlar). Tochter von Melchior Rudolf v. Boineburg, Herr zu Kleinensee und Gerstungen, kaiserlicher Oberst u. d. Anna v. Herda aus Lauchröden). (Quelle: Geschichte der Familie v.Witzleben, (1878) 1, H. 4, Taf. 13a, siehe auch Lindner’sche Stammtafeln Nr. 498b!). 

 

Boyneburg
von Bodenhausen

 

Baron Thilo Ernst von Bodenhausen

geb. 20.Juni 1861

gest. 13.Juni 1930

verheiratet mit Emmi Gröschel

 1909 Vorsitzender des Kriegervereins Kleinensee


Tochter Lilli Gröschel geb. in Kleinensee am 

23. Mai 1908

gest. in Allendorf am 15. November 1996

 

 Die kleine Lilli mit Betreuerinnen