Familie Schäfer  aus Kleinensee    

        

            Kriegerverein Kleinensee         

In Kleinensee bestand der Kriegerverein von 27. September 1903 bis zum Jahre 1922  

Übernommen von der Homepage:"http://www.widdershausen.de/kriegerverein.html" 

der Dorfchronik unseres Nachbarortes Widdershausen.

 

So könnte sie ausgesehen haben!

Kriegervereinswesen

Über hundertjährige Tradition im Kreisgebiet

Von Brunhilde Miehe

Kriegervereine gehörten bis zum Zweiten Weltkrieg in vielen Gemeinden unserer Heimat zu den bedeutendsten Vereinen, nicht nur aufgrund ihrer Mitgliederzahlen, sondern auch bezüglich ihres Einflusses auf die Dorfgemeinschaften. Aus den ehemaligen Militär-Begräbnis-Vereinen, die verstorbenen Kameraden auf dem letzten Weg ein Ehrengeleit gaben, wurde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein nach oben fest durchorganisiertes Verbandswesen geschaffen.

Erste Ansätze zu Kriegerkameradschaften gab es bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts1).

 

Nach dem siegreichen Frankreichfeldzug von 1870/71 standen die deutschen Krieger bei großen Teilen der Bevölkerung in hohem Ansehen, so daß die Kriegervereine, denen nur ehemalige Krieger und gediente Soldaten angehören konnten, starken Zulauf hatten. Um die Kameradschaft zu pflegen sowie das ehrende Gedenken an die gefallenen Kameraden wachzuhalten und verstorbenen Kriegern auf dem letzten Weg ein Ehrengeleit zu geben oder in Not geratenen Kameraden zu helfen, nicht zuletzt aber auch, um sich selbst zu beweihräuchern und sich gegenseitig auf die stolze, wenn möglich mit Orden geschmückte Brust zu klopfen, schlossen sich in fast allen Gemeinden die Krieger zu losen Vereinsgemeinschaften zusammen, in unserer Heimat wie im ganzen Reich. Bereits im Jahre 1873 formierten sich im Altkreis Hersfeld erste Vereine, jährlich nahm die Anzahl zu. 1904 waren im Altkreis Hersfeld 26 Vereine, 1908 schon 31, 1910 dann 33, 1913 bereits 35 und 1914 schließlich 36 Vereine registriert. Vor Beginn des Ersten Weltkrieges hatten sich im Altkreis Hersfeld schließlich in folgenden Gemeinden Kriegervereine formiert: Asbach, Ausbach, Friedewald, Friedlos, Frielingen, Gittersdorf, Hattenbach, Heddersdorf, Heimboldshausen, Herfa, Hersfeld, Holzheim, Kathus, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleinensee, Kohlhausen, Lautenhausen, Lengers, Meckbach, Mecklar, Niederaula, Niederjossa, Obergeis, Philippsthal, Ransbach, Reilos, Röhrigshof, Rohrbach, Schenklengsfeld, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Widdershausen, Willingshain und Wölfershausen. (St. A. M. 1177)
Die Kriegervereine waren aus ihrem Selbstverständnis heraus rechts orientiert und huldigten dem patriotischen Gedankengut – Loyalität und Kaisertreue waren Teil ihres Fahneneides.
Insofern gehörten sie zu den Stützen der Monarchie, und die Obrigkeit wußte sehr geschickt, die freiwilligen Vereinsmitglieder von oben herab politisch zu binden, ja zu instrumentalisieren. Insbesondere wurden die Kriegervereine auch als Bollwerke gegen die sozialdemokratische Bewegung angesehen und waren so auf unterster Ebene dazu aufgerufen, gegen die „staatsfeindlichen Umtriebe“ zu agieren.
Wie man seitens der Obrigkeit die an sich freien Vereinsgemeinschaften in den Griff bekam und gewissermaßen gleichschaltete, ist ein Lehrstück unverhüllter Indoktrination und sollte im Dritten Reich offensichtlich Nachahmung finden.
Unter der Bedingung, daß nur diejenigen Kriegervereine als solche anerkannt würden und eine Fahne führen dürften, die laut der von oben vorgegebenen Satzung des Deutschen Kriegerverbandes arbeiteten, wurden die Ortsvereine auf Linie gebracht. Da es in den achtziger Jahren bereits verschiedene Bezirks- und Landesverbände gab, wurde auch diesen die Unterordnung unter die großen Dachverbände nahegelegt. Und damit es auf örtlicher Ebene keine kleineren Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielsetzungen gab, wurde eine Mitgliederzahl von 50 Personen pro Verein vorgeschrieben – kleine Gemeinden konnten so überhaupt keinen eigenen Ortsverband gründen, sondern mußten sich im allgemeinen auf Kirchspielebene formieren.

Mit Gott für König und Vaterland
Am 16. 11. 1888 schrieb das Ministerium des Innern an den Königlichen Regierungspräsidenten in Cassel, der das Schreiben wiederum an alle Königlichen Landräte und Polizeidirektoren seines Regierungsbezirks weiterleitete: Die Erlaubnis zur Führung einer Fahne soll in Zukunft nur solchen Kriegervereinen erteilt werden, „deren Statuten in Übereinstimmung mit den Satzungen des Deutschen Kriegerbundes vom 14. 2. 1887, auch die Pflege, Bethätigung und Stärkung der Liebe und Treue für Kaiser und Reich ausdrücklich als Vereinszweck mit aufführen und daneben die Bestimmung enthalten, daß bei den Verhandlungen des Vereins jede Erörterung politischer und religiöser Angelegenheiten auszuschließen ist. Die gleiche Anforderung wird fernerhin auch an die sich neubildenden Kriegervereine zu stellen und denselben, sofern sie sich nicht etwa auf die Veranstaltung von kriegerischen Leichenfeiern für verstorbene Kameraden beschränken wollen, die in der Allerhöchsten Ordre vom 22. 2. 1842 vorgeschriebenen polizeilichen Bestätigung nur dann zu ertheilen sein, wenn sie die vorgedachten beiden Bestimmungen in ihre Statuten aufnahmen.“ (St. A. M. 1177)
In einem Schreiben vom 9. 8. 1890 wurde das Ministerium noch deutlicher: „Nach hierher gelangten Mittheilungen zählen verschiedene Kriegervereine zu ihren Mitgliedern Anhänger der Sozialdemokraten beziehungsweise der welfischen Partei, welche in mehr oder weniger verschleierten Agitationen die patriotischen Bestrebungen der Vereine zu untergraben bemüht sind. Es ist in Frage gekommen, ob es zur Unterdrückung derartiger gefährlicher Bestrebungen besonderer polizeilicher Maßnahmen bedürfen werde, oder ob dieser Zweck auch auf Grund der bezüglich der Kriegervereine bereits bestehenden Bestimmungen zu erreichen sein werde.
Für letztere Annahme scheint folgendes angeführt werden zu können: Die nach der Allerhöchsten Kabinets-Ordre vom 22. Februar 1842 erforderte polizeiliche Bestätigung, durch welche die Vorrechte und Vergünstigungen der Kriegervereine erlangt werden, kann, wie auch durch Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichtes festgestellt ist, von der Polizeibehörde wieder zurückgezogen werden, wenn die Voraussetzungen, unter denen sie ertheilt worden ist, nicht mehr zutreffen. Zu diesen Voraussetzungen zählt namentlich auch die, daß die Mitglieder des Vereins Liebe und Treue für Kaiser und Reich hegen, pflegen und bethätigen.“ (St. A. M. 1177)
Trotz aller restriktiven Maßnahmen konnte die sozialdemokratische Unterwanderung vielerorts nicht verhindert werden. In einem Sonderdruck der „Parole“, Jahrgang 1898, Nr. 44, der verbandseigenen Zeitschrift des Deutschen Kriegerbundes, wird berichtet:
„Die Ansprache des Vorsitzenden auf dem diesjährigen Bundesabgeordnetentage zu Weißenfels über das Eindringen der Sozialdemokratie in die Kriegervereine hat im ganzen Bunde, ja über die Grenzen unseres Bundes hinaus in allen Deutschen Kriegerverbänden lebhafte Aufmerksamkeit erregt. Ueberall hat sich die einmüthige Ueberzeugung kund gegeben, daß Kriegervereine und Sozialdemokratie unversöhnliche Gegensätze sind, daß die Anhänger der Umsturzparteien nicht in die Kriegervereine gehören, und daß sie, wo sie sich finden sollten, rücksichtslos entfernt werden müssen. Der Säuberungsprozeß hat auf der ganzen Linie begonnen und muß schonungslos durchgeführt werden. …
Die Sozialdemokratie kann uns als politische Partei nicht gelten, weil sie nicht auf dem Boden des Reiches, der Monarchie und des nach der Verfassung geordneten Staates steht. Der Kampf gegen sie ist deshalb kein politischer im Sinne unserer Satzungen. Alle bürgerlichen Parteien, Alle, welche auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich, zum nationalen Deutschen Staat und zu ihrem engeren Bundesstaat stehen, sind gleichmäßig berechtigt, in unsere Vereine einzutreten. Und deshalb sind die Kriegervereine ein glücklicher Vereinigungspunkt für Männer der verschiedensten politischen Anschauungen, sofern sie nur alle auf dem Boden des Reichs und der bestehenden staatsrechtlichen Verhältnisse stehen. Die Kriegervereine werden durch die Pflege treuer Kameradschaft die politischen Gegner einander näher bringen und unter ihren Mitgliedern dahin wirken, daß sie im bürgerlichen Leben, in ihrer Bethätigung als Staatsbürger dasjenige in den Vordergrund stellen, was die Parteien eint, monarchische Treue, Vaterlandsliebe, Nationalbewußtsein , und daß sie sich daran gewöhnen, das Parteiinteresse möglichst zurückzustellen. Das Kriegervereinswesen kennt nur einen Gegner, die Umsturzparteien, alle übrigen Parteien, so wie sie vorstehend gekennzeichnet sind, sollen sich in den Kriegervereinen in breiter Front, Schulter an Schulter, gegen diesen gemeinsamen Feind vereinigen. …
Wer sich als Sozialdemokrat bekennt, wer es selbst ausspricht, sozialdemokratisch gewählt zu haben, der muß unerbittlich aus unseren Vereinen heraus. Dagegen ist es mit dem gesetzlich bestehenden geheimen Wahlrecht unvereinbar, den Einzelnen nachzuforschen, ob sie sozialdemokratisch gewählt haben oder nicht. Es ist dies auch mit der Würde der Vereine nicht vereinbar, ebenso wie das nicht die besten Seiten menschlichen Empfindens aufrührende Forschen nach der politischen Gesinnung. Tüchtige Vereinsvorsitzende werden andere Mittel haben, um ihre Vereinskameraden zu kennen, und sie werden auch die rechten Wege finden können, um die Schwachen und Strauchelnden zu stärken und zu stützen. …“
Bereits in einem Schreiben vom 6. 4. 1886 hat die Königliche Regierung zu Cassel den Königlichen Polizei-Direktor und die Königlichen Landräte des Regierungsbezirks gebeten, auf die Bildung von Kriegervereinen hinzuwirken.
„Bei den gegenwärtig vielfach zu Tage tretenden staatsfeindlichen Bestrebungen ist es von besonderer Bedeutung, daß die Kriegervereine die Liebe zu Kaiser und Reich pflegen und das Nationalbewußtsein beleben und stärken. Es liegt daher im staatlichen Interesse, die Bildung der Kriegervereine zu fördern. Hierbei muß jedoch unterstellt werden, daß diese Vereine sich nicht wegen bloß geselliger Zwecke bilden, sondern daß sie von den Satzungen des Kriegerbundes voll und ganz erfüllt sind, den unter dem Bundes-Vorstande stehenden Bezirks- und Gauverbänden sich einreihen und den Vorständen sich militärisch unterordnen …
Der deutsche Kriegerbund, im Jahre 1873 gegründet und durch allerhöchste Ent-schließung vom 24sten August 1881 mit den Rechten einer juristischen Person versehen, hat den Zweck:
 

  • das Band der Kameradschaft auch im bürgerlichen Leben unter seinen Mitgliedern zu erhalten und zu pflegen,
  • das Nationalbewußtsein zu beleben und zu stärken,
  • die Liebe zu Kaiser und Reich bei seinen Mitgliedern zu pflegen und zu bethätigen,
  • den Bundesangehörigen in Noth und Alter mit Rath und That hülfreich zur Seite zu stehen, insbesondere durch Gewährung von einmaligen oder fortlaufenden Geldunterstützungen an die Mitglieder und von Sterbe-, Begräbnis- oder Ausstattungsgeldern an deren Angehörige,
  • im Falle eines Krieges sich im Sinne der Genfer Convention pp. dem Staate zur Verfügung zu stellen und
  • den deutschen Kriegervereinen die denselben gebührende Achtung im öffentlichen Leben zu erwirken und zu erhalten.“ (St. A. M. 1177)


Zehn Jahre später hatte der Deutsche Krieger-Bund seine Satzung noch stärker auf das obrigkeitliche Interesse ausgerichtet – „Liebe und Treue für Kaiser und Reich“ standen nun an erster Stelle.
Eine normierte Satzung war die Arbeitsgrundlage für alle Vereine, so auch für die Vereine im Kreis Hersfeld – siehe Satzung des Kriegervereins Friedewald. (St. A. M. 2728)
Um die Kriegervereine landesweit auf die von oben gewünschte Linie zu bekommen, durften seit 1902 nur noch die Kriegervereine behördlich bestätigt werden, die sich dem Preußischen Landes -Kriegerverband anschlossen, und dieser war direkt dem Minister des Innern unterstellt. (St. A. M. 1177)
Die behördlichen Bemühungen um eine Ausweitung und Gleichschaltung des Kriegervereinswesens hatten offensichtlich einen beachtlichen Erfolg. Am 13. 1. 1910 berichtete das Kriegsministerium an sämtliche Königliche Generalkommandos: „Seit den letzten Mitteilungen über das Kriegervereinswesen hat sich dies weiterhin günstig entwickelt. Die Zahl der Kriegervereine, die sich den Landesverbänden angeschlossen haben, hat stetig zugenommen. Der Preußische Landes -Kriegerverband umfaßte am 1. 10. 1909 16533 Vereine mit 1439145 Mitgliedern. Er hat trotz des Ausscheidens von Vereinen aus verschiedenen Ursachen von 1907 bis 1909 um 1149 Vereine mit 112351 Mitgliedern zugenommen. Der deutsche Kriegerbund ist bis 1. 10. 1909 auf 19625 Vereine mit 1686990 Mitgliedern angewachsen. Der alle deutschen Landes-Kriegerverbände umfassende Kyffhäuser-Bund hatte am 1. 10. 1909 einen Stand von 29084 Vereinen mit 2528667 Mitgliedern erreicht. Die Zunahme seit dem 1. 10. 1907 beträgt 1807 Vereine mit 177689 Mitgliedern. Es ist demnach zu hoffen, daß sich allmählich die noch abseits stehenden Vereine in Würdigung der kameradschaftlichen Pflicht, die alle gedienten Soldaten vereinigen sollte, und in Erkennung ihrer wahren Interessen den staatlich organisierten Landesverbänden anschließen werden.“ (St. A. M. 1177) 

 

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die alten Kriegervereins-Statuten u. a. aufgrund der veränderten politischen Lage natürlich überholt. Einige Vereine lösten sich auf, andere Vereinsangehörige trafen sich in einer mehr oder weniger losen Vereinsgemeinschaft weiter und wieder andere schlossen sich dem weiterhin nach oben durchorganisierten Deutschen Kyffhäuserbund an.
Im Dritten Reich bekam der Militarismus und somit auch das Kriegervereinswesen neuen Aufschwung.
Aufgrund von persönlichen Differenzen2) hatte A. Hitler jedoch ein distanziertes Verhältnis zum Kyffhäuserbund. Dennoch versuchte er die Vereine für seine Ziele zu instrumentalisieren. Bei den zwischen 1935 und 1939 in Kassel jährlich stattfindenden Reichskriegertagen, bei denen jeweils etwa 100000 Mitglieder zusammenkamen, wurde jedenfalls offiziell ein Schulterschluß zwischen der Wehrmacht und den alten Kriegern demonstriert – 1939, zum ersten großdeutschen Reichskriegertag, war auch Hitler nach Kassel gekommen. Trotz gewisser Zugeständnisse versuchte der Kyffhäuserbund jedoch, seine Eigenständigkeit zu wahren und einer Gleichschaltung entgegenzutreten. In seiner Selbstdarstellung „Kyffhäuserbund e.v. - ein Volksbund-“ berichtet der Verband, der sein Sitz derzeit in Wiesbaden hat, wie folgt über seine Entwicklung:
„Erst 1943, mitten im Krieg, gelang es Hitler den inzwischen über 4,3 Millionen Mitglieder in 42000 Kameradschaften zählenden größten Soldaten- und Veteranenbund der Welt, dessen soziale Einrichtungen im In- und Ausland als vorbildlich anerkannt waren, widerrechtlich aufzulösen. Sein gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt und sein soziales Wirken und seine Einrichtungen in das staatlich kontrollierte Sozialprogramm eingefügt. Viele der sich zum Teil heftig gegen NS-Ideen und NS-Methoden wehrenden Vorstandsmitglieder des Bundes bis hinunter zu den Kreisverbänden und Kameradschaften wurden verfolgt und erhielten längere Freiheitsstrafen!“ (S. 9)

Der Neubeginn
„Im September 1952, neun Jahre nach seiner widerrechtlichen Auflösung und nach Überwindung vieler juristischer Hürden und Vorurteile, konnte sich der Kyffhäuserbund aus zwei Wurzeln – Berlin und Westfalen – unter seinem ehemaligen Präsidenten, Wilhelm Reinhard, neu gründen. Er hatte als Kyffhäuserbund – Bund ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und Kriegsteilnehmer, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen seinen Sitz in Berlin und Wiesbaden. Die Verbandsarbeit mußte, wie so vieles in jenen Jahren, wieder bei Null beginnen. …
Zu den Kyffhäusern des Ersten und Zweiten Weltkrieges stießen in den folgenden Jahren viele Soldaten und Reservisten der Bundeswehr, aber auch Frauen und Jugendliche. Der Deutsche Jugendbund Kyffhäuser e. V. wurde Nachfolgeorganisation der bereits 1933 zwangsweise aufgelösten Kyffhäuserjugend. Er ist heute mit seinen rd. 10000 Mitgliedern ein eigenständiger, aufstrebender Verband innerhalb des Kyffhäuserbundes.
Nachdem der Bund 1961 in Deutscher Soldatenbund Kyffhäuser e. V. umbenannt wurde, beschloß 1977 die Bundesversammlung in Ludwigsburg, dem Bund seinen traditionsreichen Namen Kyffhäuserbund wiederzugeben, um mehr dem Volksbundcharakter des Bundes Rechnung zu tragen und so u. a. Frauen und Jugendlichen die Aufnahme zu erleichtern.“ (S. 10)
„Der als gemeinnützig anerkannte Kyffhäuserbund e. V. faßt heute in seinen 14 Landesverbänden und im Deutschen Jugendbund Kyffhäuser e. V. (DJBK) rd. 1500 Kameradschaften zusammen. Ihm gehören bereits wieder rd. 100000 Mitglieder an, wobei das Durchschnittsalter von z. Z. 40 Jahren aufmerken läßt. Neben den Veteranen der beiden Weltkriege und aktiven Soldaten und Reservisten der Bundeswehr sind dies Männer, Frauen und Jugendliche aller Altersschichten und Berufe.“ (S. 13)

Der Kreisverband Hersfeld-Rotenburg hatte im Jahre 1997 632 Mitglieder, und zwar in folgenden Gemeinden – die Anzahl der Mitglieder ist jeweils in Klammern aufgeführt: Rotenburg (67), Ronshausen (95), Weiterode (73), Asmushausen (80), Bebra (117), Bosserode (79), Gilfershausen (46), Breitau (20), Bad Hersfeld (6), Kyffhäuser Reservisten (49) – Raboldshausen (57) ist dem Kreisverband Schwalm/Eder angeschlossen.

Kameradschaftspflege
Die Pflege des rechten bzw. reaktionären Gedankengutes und einer unverhohlen militaristischen Gesinnung war das äußere Selbstverständnis der Kriegervereine, bei vielen Mitgliedern mag jedoch die Kameradschaftspflege im Vordergrund gestanden haben. Durch den Kameradschaftsgeist wurden die Frontsoldaten mit ihren meist sehr schmerzlichen Kriegserlebnissen nicht allein gelassen. Beim gegenseitigen Erzählen der Erfahrungen war gewissermaßen die Möglichkeit der Kriegsaufarbeitung unter Kameraden, die aus eigener Erfahrung mitreden und mitfühlen konnten, gegeben – Außenstehende konnten und wollten „es“ bestimmt nicht mehr hören, und diesen hätte man die Kriegshölle auch nicht schildern können oder wollen. Eine nachträgliche Verbrämung des Kriegstraumas mag zwar einhergegangen sein, aber wie hätte man nach so unheilvoller Verstrickung, so viel Desillusionierung, wie diese vor allem nach dem Ersten Weltkrieg aufzufangen war, ohne gewisse Verdrängung in das Alltagsleben zurückkehren können?
Zu den Standardliedern der Kriegervereine zählten nicht nur „Heil dir im Siegerkranz“ und „Die Wacht am Rhein“, sondern auch wehmütige Lieder wie „Argonnerwald“ oder „Fern bei Sedan“ (vgl. B. Miehe: Unsere Lieder. Kirchheim 1997), bei denen sich mancher gestandene Krieger seiner Tränen nicht schämte.
Der Krieg hatte nicht nur die meisten Krieger selbst stark gezeichnet, sondern auch ihre Lebensverhältnisse erheblich verändert. Nach mehreren Jahren an der Front war meist nicht nur die wirtschaftliche Existenz zerstört, sondern auch viele ihrer ehemaligen menschlichen Beziehungen waren brüchig geworden, so daß die nicht selten gebrochenen und invaliden Krieger unter Kameraden auch eine innere Heimat und Halt suchten. Daß zahlreiche Kriegervereinsmitglieder der Manipulation und der Instrumentalisierung durch reaktionäre Funktionäre erlagen bzw. die politischen Zusammenhänge nicht durchschaut haben mögen oder um den Preis der Kameradschaft bestimmte Zugeständnisse machten, ist die andere Seite. Und es gab natürlich nicht nur die sogenannten Mitläufer, sondern auch Agitatoren und diese überall, auch in den Gemeinden unserer Heimat.
Allen gemeinsam, den Führern wie den Mitläufern oder gar den Verführten, mag eine gewisse Vorliebe für das militärische Zeremoniell gewesen sein – sowohl bei Paraden als auch bei den Trauerfeierlichkeiten anläßlich der Beerdigung von verstorbenen Kameraden.
Damit das militärische Zeremoniell u. a. bei Begräbnissen das kirchliche Zeremoniell nicht störte, wurde bereits 1899 vom preußischen Episkopat an den Königlichen Kriegsminister folgende Eingabe gemacht:
 

  • Den Trauerzug eröffnet der Kriegerverein mit seiner Fahne, die sogenannte Trauerparade
  • Es ist Sache der zuständigen Pfarrgeistlichen, dafür Sorge zu tragen, daß die kirchliche Ordnung des Leichenbegängnisses eingehalten wird und daß die rituellen Gesänge und Gebete nicht durch die die Trauerparade etwa begleitende Musik gestört werden …
  • Bei dem Gottesdienst für den Verstorbenen in der Kirche hat der Kriegerverein weder für die Mitglieder noch für seine Fahne, noch für die Waffen einen besonderen Platz zu beanspruchen, auch soll die nicht geweihte Fahne in der Kirche nicht feierlich getragen werden
  • Am Grabe sollen die etwaigen militärischen Ehren erst eintreten, nachdem die kirchliche Feier beendet ist.“ (St. A. M. 1177)

Die Trauerparaden wurden bis in die Jahre des Zweiten Weltkrieges bei verstorbenen Kriegervereinsmitgliedern ausgeführt und gehörten zu den eindrucksvollsten Manifestationen der Vereine. Eine solche Beerdigungsfeier mit Musikbegleitung und Ehrensalut über dem Grab war nicht nur der ehrenvolle Abschluß eines Kriegerlebens, sondern war auch in den Augen der meisten Mitbürger eine „schöne Leich“.

Embleme der Kriegervereine

Die Maßregelungen seitens des Staates bezüglich des Vereinslebens der Kriegervereine ging übrigens so weit, daß man auch Einfluß auf die Gestaltung der Fahnen und Vereinsabzeichen nahm. Bereits 1869 schrieb der Minister des Innern der Königlichen Regierung in Cassel, daß die Militär-Begräbnis-Vereine ihre Vereinsfahnen fortan nur noch mit Adlern nach beigelegtem Muster gestalten dürften. Da die zuvor seitens der Vereine vorgelegten Entwurfszeichnungen in den Augen der Regierung nur mangelhaft waren, sah man sich zu dieser Anordnung genötigt – eine Adler -Lithographie wurde beigelegt.

1886 ordnete man von gleicher Stelle an, daß die Fahnen zwar mit dem preußischen Adler und anderen Emblemen, die auf das deutsche Reich oder auf eine Provinz der Monarchie Bezug haben, verziert sein dürften, „daß aber Fahnen der Kriegervereine nicht mit Emblemen versehen werden dürfen, welche auf militärische Einrichtungen hinweisen, insbesondere nicht mit dem Allerhöchsten Namenszuge seiner Majestät oder mit Abbildung von Ordensdekorationen und militärischen Ehrenzeichen.“ (St. A. M. 1173)

1888 teilte der Minister des Innern einem Fahnenfabrikanten mit, daß die Germania nur auf einer Fahne abgebildet sein dürfte, wenn auch der preußische Adler als Emblem in die Gestaltung einbezogen würde – so u. a. auch bei der Friedewälder Fahne geschehen.

Am 5. 6. 1897 teilte der Casseler Regierungspräsident den Landräten und dem Polizei-Präsidenten mit, daß für die Fahnen der Kriegervereine ein neues Adlermuster vorgeschrieben sei – Abbildungen desselben könnten von der Reichsdruckerei zu Berlin zum Preise von 50 Pfg. bezogen werden. (St. A. M. 1173)

Die Vereinsabzeichen unterlagen seit 1909 ebenfalls der behördlichen Reglementierung.

Der Kriegerverein Friedewald beschwerte sich im August 1909 beim Königlichen Landrat, daß man sehr ungehalten darüber sei, daß der Verein neue Abzeichen anschaffen solle – schließlich hatte man die alte Art schon 35 Jahre getragen, „und damals wäre es gut gethan worden, und nun hätte der Verein wieder 40 bis 50 Mark Unkosten“. (St. A. M. 2728)

Mit Schreiben vom 6. 8. 1909 hat der Kreis-Kriegerverband wie folgt vermittelt: „Daß die Kreuzform des von gelbem Metall hergestellten Vereinsabzeichens des Kriegervereins Friedewald ohne nähere Prüfung leicht zu der Ansicht führen könnte, der Träger desselben sei Inhaber irgend eines staatlichen Ordens oder Ehrenzeichens, soll nicht in Abrede gestellt werden, indessen schließen die Inschriften auf beiden Seiten des Abzeichens jede derartige Verwechselung aus. Die für die Vereinsabzeichen der Kriegervereine maßgebenden Bestimmungen sind erst in unserer Zeit getroffen, früher kannte man sie nicht, und jedenfalls befindet sich der Kriegerverein Friedewald im Recht, wenn er auf die Tatsache hinweist, daß er seit 35 Jahren dieses Vereinsabzeichen ohne Beanstandung geführt hat und wenn er daraufhin es ablehnt, ein neues Vereinsabzeichen alsbald zu beschaffen. Die Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten, ein anderweitiges Vereinsabzeichen anzuschaffen, dürfte, ihre rechtliche Zulässigkeit vorausgesetzt, vielleicht in der Weise ihre Ausführung finden können, daß der Kriegerverein Friedewald aufgefordert wird, über die Einführung eines neuen zulässigen Abzeichens zu beschließen und die obrigkeitliche Anweisung dazu einzuholen. Demnächst würde dann vielleicht anzuordnen sein, daß alle neu eintretenden Mitglieder das neue Vereinsabzeichen fortab zu führen hätten, während die alten Mitglieder für ihre Person das bisherige Abzeichen weiter tragen dürften, bis es in Verlust geraten oder der Inhaber Willens ist, ein neues Abzeichen sich zu beschaffen. Hierbei dürften dem Kriegerverein Friedewald anheim zu geben sein, die in dem Parolebuch … empfohlene Verbindung des Landesverbandsabzeichens mit dem Kriegervereinsabzeichen in Erwägung zu ziehen.“ (St. A. M. 2728)

Zusammenfassung

Betrachtet man die Entwicklung des Kriegervereinswesens über hundert Jahre hinweg, lässt sich feststellen, daß die Verbandsarbeit zwar immer wieder gemäß den jeweiligen gesellschaftspolitischen Verhältnissen modifiziert wurde, im Zentrum blieb jedoch bis zur Gegenwart die Pflege des Soldatentums, jeweils mehr oder weniger militaristisch geprägt. Aus ihrem national-loyalen Selbstverständnis heraus standen die Verbände zu den jeweiligen Machtsystemen, wurden aber darüber hinaus von diesen noch jeweils mehr oder weniger stark direkt oder indirekt funktionalisiert. Im Kriegervereinswesen spiegelt sich so auf beredte Weise Zeitgeschichte wider - Geschichte, die vor allem auch die jeweiligen Machtstrukturen der politischen Systeme transparent macht.

Anmerkungen

1) Am 8. Juni 1786, wenige Wochen vor dem Tode Friedrich des Großen, schlossen sich zu Wangerin in Pommern vierzig ehemalige Soldaten des friderizianischen Füsilierregiments von Brünning zu einer „Militärischen Schützenbruderschaft“ zusammen. Kameradschaftlich füreinander einzustehen, die aus den Kriegen heimgekehrten Verwundeten und Kranken zu betreuen, die Witwen und Waisen der Gefallenen zu unterstützen, verstorbenen Kameraden ein ehrenvolles Begräbnis zu sichern, die Pflege soldatischer Tradition und „mit dem Gewehr nach der Scheibe zu schießen“, um die Augen scharf, die Hände sicher und den Geist soldatisch zu erhalten, wie es in der Gründungsurkunde hieß, waren einige der selbstgewählten Verpflichtungen, die sich die Angehörigen der Wangeriner Stammkameradschaft, aus der der Kyffhäuserbund den Ursprung seiner Tradition herleitet, auferlegten. …

Zum Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden zwar weitere Kameradschaften, doch erfuhr das in dieser Zeit noch in seinen allerersten Anfängen steckende Kriegervereinswesen erst nach den Befreiungskriegen 1812/13 einen gewissen Aufschwung. Dies geschah vor allem nach 1840 in Preußen, das als erster Staat die allgemeine Wehrpflicht einführte. …

Die Bedeutung dieser Kriegervereine, die sich nur aus ehemaligen Kriegsteilnehmern zusammensetzten, und ihre Hauptaufgabe „ihre verstorbenen Kameraden mit militärischen Ehren zu bestatten“, unterstreicht die Tatsache, daß sie in Preußen am 22. Februar 1842 durch „Allerhöchste Kabinettsorder“ des damaligen Königs Friedrich Wilhelm IV. gesetzlich anerkannt und offiziell zur nationalen Organisation erklärt wurden. Trotz rechtlicher und gesetzlicher Sanktionierung konnte aber von einem Zusammenschluß der sich nach und nach gründenden Kriegervereine, die sich vielerorts „Militär-Begräbnisvereine“ nannten und die oft schon über ein Unterstützungs- und Sterbekassenwesen verfügten, zu einem Verband noch keine Rede sein. Erst im Revolutionsjahr 1848, als dem Staat Gefahr drohte, wurden die ersten Wünsche nach Zusammengehörigkeit und einer Vereinheitlichung der sozialen Einrichtungen zum Zwecke einer wirkungsvolleren Hilfe laut, und es kam verschiedentlich innerhalb der Provinzen zu meist losen Zusammenschlüssen, die vielfach nach Wiederkehr ruhiger Verhältnisse ins Wanken gerieten und sich wieder auflösten. …

Einen ganz neuen und bedeutsamen Aufschwung erfuhren diese Zusammenschlüsse durch die Kriege 1864/66 und 1870/71. Nunmehr entstand eine Bewegung, die sich über das ganze Reich ausbreitete, im Volke festen Fuß faßte und aus den einzelnen Vereinigungen ein deutsches Kriegervereinswesen mit großen nationalen Aufgaben werden ließ. Die in dieser Zeit neu entstandenen Vereine unterschieden sich von den früheren vor allem dadurch, daß sie die Mitgliedschaft nicht nur auf Frontkämpfer beschränkten, sondern jeden jungen Deutschen, der seine Dienstzeit in Ehren absolviert hatte, aufnahmen. (In: Kyffhäuser Bund e.V. -ein Volksbund- Wiesbaden. S.1u.2.)

2) Als Hitler 1932 für das Amt des Reichspräsidenten kandidierte, hatte der damalige Präsident des Kyffhäuserbundes die Mitglieder aufgerufen, ihre Stimme Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Ehrenpräsident des Bundes, zu geben.

3) Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. regte der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes 1888 an, dem verstorbenen Kaiser seitens aller ehemaligen Krieger ein Dankesdenkmal auf dem Kyffhäuser zu errichten.

„Die Errichtung des Kyffhäuser-Denkmals, das erste gemeinsame Werk aller Kriegervereine, löste um die Jahrhundertwende eine starke Bewegung mit dem Ziel aus, noch vorhandenes landsmannschaftlich Trennendes zu überwinden. Der gemeinsame ständige Ausschuß für die Verwaltung des Denkmals wurde mit Aufgaben und Kompetenzen ausgestattet, die ihn über seinen ursprünglichen Zweck hinaus nach und nach zur Spitzenorganisation des gesamten Kriegervereinswesens werden ließen.

Höhepunkt dieser durch den Deutschen Kriegerbund geförderten Entwicklung war dann am 1. Januar 1900 die Umbenennung des ständigen Ausschusses und Eintragung des neuen Bundes als ,Kyffhäuserbund der deutschen Landeskriegerverbände’, in dem sich auch die bis dahin noch sehr der Stammeseigenschaft verbundenen Landeskriegerverbände endlich zusammenfanden.“