"Wir befinden uns im Jahre 2018 n. Chr. 
Ganz Deutschland ist von den ?????? besetzt ... Ganz Deutschland?    Nein! Ein von Unbeugsamen bevölkertes Dorf  hört nicht auf, dem Eindringling  Widerstand zu leisten"


Kleinensee - das Dorf an der  (ehemaligen) Grenze !

 
 

Chronik der Gemeinde Kleinensee nach den Erinnerungen von Maus, Willi

Vorwort !

Die Chronik der selbständigen Gemeinde Kleinensee ist durch Schlamperei oder auch wegen Unwissenheit abhanden gekommen. Bei allen die es mir möglich gemacht haben, dass ich wieder eine Chronik der Gemeinde Kleinensee erstellen kann, möchte ich mich herzlich bedanken. Die selbstständige Gemeinde ist nun ein Stadtteil von Heringen. Die neue Bezeichnung heißt mittlerweile Heringen- Stadtteil Kleinensee.

Kleinensee.


 


Der Ort Kleinensee liegt am nordöstlichen Fuße des Seulingswaldes. Einen älteren Ort soll es noch  gegeben haben. Nach  Aussagen von alten Kleinensee`rn hat dieser im Flurstück Eizensee gestanden. Eizensee liegt gegenüber dem neuen Hochbehälter. Die Einwohner des Dorfes Eizensee haben nach der Zerstörung des Ortes sich am Rande  des Seulingssee wieder angesiedelt. Das nordöstlich vom See gelegene Dorf war grösser als der Ort südlich vom See. So entstanden die Dörfer Großensee und Kleinensee. Erwähnt wurde der Ort Kleinensee erstmals im Jahre 1579. Damals war  der Seulingssee  und die Landwirtschaft die Nahrungsgrundlage des Ortes. Im 18.Jahrhundert entstanden die ersten Handwerksbetriebe. Besonders möchte  ich den Beruf der Drechsler erwähnen. Denn die Spinnräder, Sensenbalken und Rechen, die von diesen Leuten hergestellt wurden, waren so schön,  dass sie weithin bekannt waren. 


Um das Jahr 1900 änderte sich das Dorfleben der Kleinenseer grundlegend. Im Werratal wurde Kali gefunden. Die Männer fanden in den  abgeteuften Schächten Arbeit. Sie brauchten nicht  mehr nach Kassel zu fahren, um in den Ziegeleien zu arbeiten, oder nach Westfalen, um Geld zu verdienen, damit sie ihre Familien ernähren konnten. Damit  ist die Kaliindustrie bis zum heutigen Tag für die Kleinenseer der größte Arbeitgeber geblieben. Ein sehr trauriger Tag für den Ort  war der 4. Dezember 1944.  In den Mittagsstunden traf eine Fliegerbombe ein Haus  in der Berkaerstraße. Sieben Bewohner fanden in dem total zerstörten Haus den Tod. Im Mai  1945 war dann eine Zeit zu  Ende, welche dem deutschen Volke viel Elend und Not gebracht hatte. Für den Ort Kleinensee war das schon am Abend des 31. März. Viele Kleinenseer haben diese Zeit mit Wut und Erbitterung hingenommen. Es gab aber auch etliche, die dem Anstreichergesellen vertraut und ihn voll unterstützt haben. Den Krieg, der von dieser damaligen Regierung angezettelt wurde, hat vielen Millionen Menschen das Leben gekostet. Auch an dem Orte Kleinensee ist diese Zeit nicht spurlos vorbei gegangen. Von 1939 – 1945 sind 25 Jungen und Männer gefallen. Vermisst sind 16 Jungen und Männer.

In dem Kriege von 1914 – 1918 sind 16 Kleinenseer gefallen. Keine Mutter oder junge Frau weiß, auf welche Weise diese Männer umgekommen sind. Im Jahre 1946 sind dann neue Bürger nach Kleinensee gekommen. An diesen Menschen haben die Bewohner der Staaten nach dem Kriege Rache genommen und sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Auch diese zugezogenen Bürger haben Freunde und Verwandte verloren, welche in den schrecklichen Jahren umgekommen sind. Es sind von 1939 – 1945  3 Männer gefallen und 3 wurden vermisst. Dann kam das Jahr 1948. In diesem Jahr löste die Deutsche Mark die Reichsmark ab.

Das Dorfleben änderte sich in den nächsten 30 Jahren vollkommen. Traktoren lösten Pferde und Kühe als Zugtiere ab. Die Dreschmaschine, welche in den letzten Monaten des Jahres von Scheune gezogen wurde, löste der Mähdrescher ab. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Die kleinen Nebenerwerbsbetriebe gaben immer mehr ihre Tätigkeit auf. Das Land in der Gemarkung Kleinensee wird nun von ein paar jungen Landwirten bearbeitet.

Wünschen wir dieser Generation auch Erfolg bei ihrer schweren Arbeit mit großen Maschinen.

Der Gutshof

Südlich des Dorfes Kleinensee stehen die Gebäude des Gutes. Das meiste Land in der Gemarkung gehörte zum Gute. Die Gebäude des Gutes sind um den Innenhof aufgebaut und Dank der neuen Besitzer bis zum heutigen Tage gut erhalten geblieben.

Zum Dorfe hin war das Gut von einer 3m hohen Mauer umgeben. Teile dieser Mauer standen noch im Jahre 1950. Ein Mauerstück stand neben der heutigen Burgstraße. Ein kleinerer Rest der Mauer stand noch dort, wo die Treppe zur Kirche neu angelegt wurde. Die erste Treppe zur Kirche führte von der Thüringerstraße im rechten Winkel auf die Anhöhe hinter der Mauer. Dort stand ein wunderschöner Kastanienbaum. Das Grundstück auf dem die Kirche im Jahre 1848 errichtet wurde, ist der Gemeinde von dem damaligen Gutsbesitzer geschenkt worden. Die ältere Kirche stand nicht auf diesem Grundstück, wie später erwähnt wird.

Sie stand auf dem Grundstück Thüringerstraße Nr. 6. Gegenüber in dem Haus wurden damals die Kinder unterrichtet. Ein Torbogen ist noch vom ehemaligem Gute erhalten geblieben. Dieses Tor wurde damals nachts geschlossen. Erhalten sind auch etliche große Bäume, die im Park des Gutes standen. Die Gebäude, Ländereien und der Wald wurden im Jahre 1920-21 an die Bürger der Gemeinde Kleinensee verkauft. Der Verkauf in diesen Jahren kam für die Bürger zum Glück, aber für den Besitzer zu Pech. Denn im 1923 kam das Wunder der Rentenmark. Das Geld hatte über Nacht keinen Wert mehr. Auf den Geldscheinen standen Millionen und Billionen. Für die Käufer von Gebäuden, Land und Wald wurde es nun leicht, das Erworbene abzuzahlen. Der letzte Besitzer des Gutes war Freiherr von Bodenhausen. Die Tochter der Familie hat nach Kriegsende in Bad Sooden-Allendorf gewohnt, wohin sie aus dem Osten geflüchtet war. Das Herrenhaus wurde von der Gemeinde erworben, wogegen die anderen Gebäude von Familien gekauft wurden. In dem Bau der von der Gemeinde erworben wurde, hat man im Erdgeschoss 2 Zimmer eingerichtet, wo im Jahre 1928 die Schule untergebracht wurde. I 1.Stock waren die Lehrerwohnungen. Die alte Schule befand sich in dem Hause Feststraße Nr. 5. Vordem nun erworbenen Schulgebäude war ein großer Schulhof.

Der Taufstein erinnert noch an bessere Zeiten der Besitzer des Gutes. Im Jahre 1958 ist eine neue Schule auf dem Schulhofe erbaut worden und im Schulgarten ein neues Lehrerhaus. 1959 ist dann dese Schule eingeweiht worden. Als die Gesamtschulen aufkamen, wurde die neu erbaute Schule im Stadtteil Kleinensee nicht mehr gebraucht. Die Schule wurde in eine Mehrzweckhalle umgestaltet. Am 1. November 1977 war dann die Einweihung der Mehrzweckhalle. In der Schule war eine Bibliothek untergebracht. Nach dem Umbau waren die schönen Bücher spurlos verschwunden. 

Ein trauriges Ereignis ist aber auch in dem Gutswalde geschehen. Ein junger Gutsbesitzer wurde von einem Gutsbesitzer aus Dippach so schwer auf den Kopf geschlagen, dass er starb. Die Tat wurde nie gesündt.

Die Eiche

Ungefähr 15 m vom Sportlerheim entfernt steht eine veredelte Eiche. Sie ist im Frühjahr 2001 100 Jahre alt geworden. Denn im Jahre 1901 hat sie der damalige Gutsbesitzer Grosik gesetzt. Er sprach damals die Worte: “auf Deutschlands Stärke, auf Deutschlands Größe und Deutschlands Einigkeit“.

Ein weiterer alter Baum ist die Linde zwischen den beiden Dörfern Kleinensee und Großensee. Das Alter von diesem Baume ist mir nicht bekannt. Nur eine traurige Erinnerung möchte ich wach halten. Neben dieser Linde wurde im Jahre 1945 ein Kleinenseer Bürger von russischen Soldaten erschossen.

Die weißen Heidelbeeren

Dort, wo das Mahnmal errichtet ist, gab es in früheren Jahren weiße Heidelbeeren. Ich würde es nicht glauben, aber ich habe als Schuljunge selbst welche gepflückt. Ein alter Mann aus dem Ort hat erzählt, an dieser Stelle sei ein Förster von einem  Wilderer erschossen worden. Es würde einmal ein Denkmal dort errichtet werden. Das würde er allerdings nun doch nicht glauben. Wenn ich nun das Mahnmal sehe, denke ich immer an diese Worte.